Smarte Werbeartikel als digitale Touchpoints

Haptische Werbeartikel werden zu digitalen Schnittstellen: NFC, Sensorik und AR kommen. Bis 2030 haben 75 Prozent aller neuen Konsumgüter Sensoren.

Digitale Kampagnen sind schnell, zielgerichtet und messbar. Gleichzeitig zeigen zahlreiche Studien, dass ihre Wirkung oft nur von kurzer Dauer ist – weil Konsument*innen täglich hunderten Botschaften ausgesetzt sind, ist die Halbwertszeit von Aufmerksamkeit stark gesunken[1]. Für Marken bedeutet dies, dass digitale Präsenz häufig nicht ausreicht, um langfristige Erinnerungswerte aufzubauen.

Wie Haptik Erinnerungen stärkt

Haptische Elemente können hier unterstützen – das liegt daran, wie das menschliche Gedächtnis funktioniert: Es speichert keine isolierten Fakten, sondern vernetzte Assoziationen, die durch Sinneseindrücke aktiviert werden[2]. Haptische Werbung kann viele Sinneseindrücke gleichzeitig auslösen. Solche multisensorischen Reize werden tiefer verarbeitet und bleiben daher länger im Gedächtnis als rein visuelle Botschaften[3]. Das kann sich direkt auf das Kaufverhalten auswirken; denn die Einbindung mehrerer Sinne vertieft Markenerlebnisse emotional, wodurch die Bindung und Kaufbereitschaft steigt[4].

Haptisches und digitales Marketing müssen einander nicht ausschließen; vielmehr können sie sich gegenseitig stärken. Ihre volle Wirkung entfaltet diese Verbindung, wenn ein physischer Werbeartikel gezielt mit digitalen Erlebnissen verknüpft wird. So lässt sich das Potenzial haptischer Elemente optimal mit der Messbarkeit und Personalisierbarkeit digitaler Kanäle zusammenführen. Durch diese Vernetzung bleiben Botschaften nachhaltig in Erinnerung, anstatt nur kurz aufzuflackern.

Digitale Dimension: Der smarte Werbeartikel

Bereits heute gibt es zahlreiche Werbeartikel, die haptische Markenpräsenz mit digitalen Funktionen kombinieren. Durch die geschickte Integration lassen sich Alltagsgegenstände in interaktive Touchpoints verwandeln, die Markenbotschaften verlängern und Kampagnen messbar erweitern.

Ein hochwertiger Kugelschreiber, der angenehm in der Hand liegt und aus einem markentypischen Material gefertigt ist, wirkt auf einer unbewussten Ebene positiv auf die Markenwahrnehmung[5]. Wird dieser Kugelschreiber mit einem integrierten NFC-Chip ausgestattet, kann er Nutzer*innen direkt zu einer Landingpage führen – etwa zu einer personalisierten Kampagne oder einem Gewinnspiel. So bleibt das haptische Produkt als täglicher Gebrauchsgegenstand im Einsatz, während die digitalen Inhalte Anlässe für Interaktion schaffen und die Lebensdauer der Markenbotschaft verlängern.

Ein Werbe-T-Shirt aus hochwertigem Stoff verankert eine Marke haptisch und visuell. Durch eingebettete Sensorik können Bewegungsdaten erfasst und über eine App ausgewertet werden. So lässt sich das T-Shirt in eine digitale Kampagne einbinden – etwa in Form einer Sport-Challenge. Die wiederholte Nutzung im Alltag hält die Marke physisch präsent, während die digitalen Funktionen fortlaufend Anreize für weitere Interaktionen setzen und den Nutzungszeitraum des Werbeartikels deutlich verlängern.

Vom Produkt zur smarten Schnittstelle

Diese Entwicklung der Integration von haptisch und digital wird sich weiter fortsetzen: Der Management- und Strategieberater Deloitte[6] erwartet, dass bis 2030 drei Viertel aller neuen Konsumgüter mindestens einen Sensor enthalten. Künftig werden Werbeartikel in Echtzeit auf ihre Umgebung reagieren, sich an Nutzungssituationen anpassen und Teil vernetzter Service-Ökosysteme sein. Augmented Reality, digitale Zwillinge und KI-gestützte Personalisierung könnten physische Produkte um erweiterte Inhalte ergänzen und automatisch personalisierte Angebote ausspielen. Die Grenze zwischen Produkt und Plattform wird verschwimmen – Werbeartikel werden zu lernfähigen Schnittstellen zwischen Marke und Mensch.

Fazit: Jetzt Weichen stellen

Die Verbindung von haptischen und digitalen Elementen steckt noch in den Anfängen, aber es zeigt sich ein klarer Trend – physische und digitale Markenerlebnisse werden zunehmend verschmelzen. Unternehmen sollten prüfen, welche Produkte sich sinnvoll erweitern lassen und wie sich der Mehrwert für die Zielgruppe belegen lässt. Klar definierte Pilotprojekte helfen, Potenziale und Grenzen sichtbar zu machen.

[1]Deloitte 2023

[1]Alaparthi 2024

[2]u.a. Anderson, 1983

[3]Krishna, 2012

[4]Lindstrom (2005) und Hultén (2011)

[5]Gallace & Spence, 2011

[6]Deloitte 2023

Quelle: Smarte Werbeartikel als digitale Touchpoints

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